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[11.04.2008]
Geschichte aus zwei Blickwinkeln
Band II des deutsch-französischen Geschichtsbuchs in Stuttgart vorgestellt

Nach dem großen Erfolg des Bandes „Histoire/Geschichte – Europa und die Welt seit 1945“ ist im April 2008 der zweite Band „Europa und die Welt vom Wiener Kongress bis 1945“ erschienen.

Der Bevollmächtigte für die deutsch-französische kulturelle Zusammenarbeit, der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, und der Minister für Bildung der Republik Frankreich, Xavier Darcos, stellten den druckfrischen zweiten Band des Werks am 9. April 2008 im Deutschen Historischen vor.

Am 11. April präsentierten Kultusminister Helmut Rau, Dr. Gérald Chaix (Rektor an der Akademie Straßburg und Mitglied der Expertenkommission zum deutsch-französischen Geschichtsbuch), der Verleger Dr. Michael Klett, Generalkonsul Christian Dumon und Studiendirektor Dr. Andreas Grießinger (Fachleiter für Geschichte im Regierungspräsidium Freiburg) den Band im Institut français Stuttgart.

Dr. Gérald Chaix berichtet von seinen Erfahrungen in der Expertenkommission zum ersten binationalen Schulbuch: „Das deutsch-französische Geschichtsbuch ist geisteswissenschaftlich ein einmaliges Unternehmen. Es ermöglicht den Lehrkräften auf beiden Seiten des Rheines, eine übernationale und entnationalisierte Geschichte aus zwei Blickwinkeln weiterzugeben und schliesslich europäische Bürger auszubilden."

Am 23. April schließlich lud Xavier Darcos mit Klaus Wowereit zur Präsentation in die Sorbonne nach Paris ein. Einen Bericht dazu ist unter www.france-blog.info zu finden.

Dr. Michael Klett, Verleger und Vorstandsvorsitzender der Ernst Klett AG, betont die Relevanz des Projektes für die deutsch-französischen Beziehungen: „Die Verständigung zwischen den Ländern war und ist auch heute nicht immer einfach. Man muss wissen, warum sich Deutschland und Frankreich einst entzweit haben, erst dann versteht man wahrhaft, aus tieferen Gründen, diese Freundschaft.“

Erster Band sehr erfolgreich
Das erste binationale Geschichtsbuch „Histoire/Geschichte – Europa und die Welt seit 1945“ ist seit einem Schuljahr deutschland- und frankreichweit in der Oberstufe im Einsatz und erfreut sich eines großen Erfolges – der erste Band wurde in Deutschland und Frankreich jeweils in einer Auflage von 45.000 Exemplaren verkauft. Band II zur Geschichte zwischen 1815 und 1945 behandelt eine Epoche, die von Kriegen und Kontroversen, aber auch von einem vielfältigen kulturellen Austausch zwischen den beiden Ländern geprägt war.

Aufarbeitung einer traurigen Bilanz
Dr. Ilas Körner-Wellershaus, Leiter des Ernst Klett Verlags in Leipzig und des Projektes „Histoire/Geschichte“, benennt die kritischen Punkte bei der Arbeit an diesem Geschichtsbuch: „Drei große Kriege, Besetzungen und Verfolgungen sind die traurige Bilanz einer für die deutsch-französischen Beziehungen sehr schwierigen Epoche.“ So seien die Ansprüche mit der Arbeit am zweiten Band eher gewachsen. „Im ersten Band, über die Nachkriegszeit, konnten die deutschen und französischen Autoren die Zusammenarbeit sehr gut üben. Schließlich ging es um die friedlichen Jahrzehnte der Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich. Bei diesem Band standen sie vor schwierigeren Themen, die heute jedoch aufgearbeitet und daher in ihrer Darstellung wenig problematisch sind.“ Spezielle Seiten zum Perspektivwechsel stellen die unterschiedlichen Blickwinkel auf die Geschichte plastisch dar, so zum Beispiel die Wahrnehmung des Ersten Weltkriegs in beiden Ländern: Während der „Große Krieg“ in Frankreich einen hohen Stellenwert hat, wird die Wahrnehmung in Deutschland durch den Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg überlagert.

Ein Buch für die Schüler
Auch wenn das deutsch-französische Geschichtsbuch inhaltlich von Regierungsseite unterstützt wird, so ist es dennoch kein politisches Instrument. Die geschichtlichen Fakten werden wertfrei dargestellt, und die Perspektivenwechsel fordern die Schüler auf, andere Blickwinkel einzunehmen und sich ihr eigenes Urteil zu bilden. So kommt das Buch bei den Schülern in Deutschland und Frankreich sehr gut an: „In anderen Geschichtsbüchern wird das eigene Land häufig als Held dargestellt“, stellt ein Schüler von der Wilhelm-Raabe-Schule in Hannover fest. Eine Mitschülerin ergänzt: „Dass die deutschen und französischen Schüler mit dem gleichen Material arbeiten, finde ich sehr gut, da sich dadurch die gleiche Sicht der Dinge einstellt.“

Projektgruppe sorgt für Expertise
Eine bilaterale Projektgruppe mit Vertretern aus dem Büro des Bevollmächtigten für die deutsch-französische kulturelle Zusammenarbeit, Universitätsprofessoren und Geschichtslehrern begleitet das Projekt und die zwölf Autoren wissenschaftlich und konzeptionell. In dieser Projektgruppe ist auch Gérald Chaix, Rektor an der Akademie Straßburg, vertreten.

Der dritte und letzte Band der Verlage Ernst Klett (Leipzig/Stuttgart) und Nathan (Paris) zur Geschichte von der Antike bis zum Wiener Kongress erscheint voraussichtlich 2009. Alle drei Bände begutachten die Geschichte Europas aus zwei Blickwinkeln: Diesseits und jenseits des Rheins wird die Geschichte anders erlebt und anders erinnert – und dennoch ist es eine gemeinsame Geschichte.

Gerne vermittelt der Ernst Klett Verlag Interviews mit den Herausgebern, Autoren oder Projektleitern.

Erscheinungstermin: 9. April 2008
„Histoire/Geschichte – Europa und die Welt vom Wiener Kongress bis 1945“
Seitenzahl: 385 Seiten plus CD-ROM
Preis: 26,95 €
ISBN: 978-3-12-416511
Verlag: Ernst Klett
Zielgruppe: gymnasiale Oberstufe

Hochaufgelöste Bilder zum Thema:
» Deutsch-französisches Geschichtsbuch "Histoire/Geschichte"


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