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[26.04.2005]
60 Jahre Kapitulation
Geschichte aus deutscher und französischer Sicht:
Aus Feinden wurden Freunde
Für die Franzosen ist der 8. Mai ein Feiertag, der sich 2005 zum 60. Mal jährt: Deutschland kapitulierte offiziell, der Weltkrieg war vorbei. Seitdem haben sich die deutsch-französischen Beziehungen stark gewandelt. Die damals erbitterten Feinde sind heute enge Freunde. Diese Freundschaft, der Kern Europas, basiert auf wirtschaftlich, kulturell und politisch festen Bindungen.

Die Pädagogik jedoch, die diese Beziehung auch an die Schüler vermitteln soll, steht in jedem der beiden Länder noch für sich.

Jaques Chirac und Gerhard Schröder initiierten anlässlich des 40. Jahrestags des Elysée-Vertrags 2003 mit dem saarländischen Ministerpräsidenten Müller die Entwicklung eines gemeinsamen Geschichtsbuchs, das vom französischen Schulbuchverlag Nathan und dem Stuttgarter Ernst Klett Verlag realisiert wird. Der erste Band des Schulbuchs ist für die Abiturklasse bzw. die Terminale gedacht und wird sich mit der neuesten Geschichte ab 1945 befassen. Er erscheint im Schuljahr 2006/07. Ihm folgen die zwei weiteren Bände zu den Zeiträumen vom 19. Jahrhundert bis 1945 und von der Antike bis zur Romantik. Im Schuljahr 2008/09 werden voraussichtlich die drei Bände für die Oberstufe komplett vorliegen.

Die erste gemeinsame Autorenkonferenz am 16. April 2005 in Paris brachte das ehrgeizige Projekt auf den Weg. Acht Autoren, die beiden Herausgeber Peter Geiss und Guillaume Le Quintrec, die Leiterin der Abteilung für gymnasiale Lehrbücher bei Nathan, Françoise Fougeron, Dr. Ilas Körner-Wellershaus, Leiter der Geschichtsredaktion des Ernst Klett Verlags (s. Foto) und die Leiterin der Redaktion Geisteswissenschaften bei Nathan, Delphine Dourlet, diskutierten über mögliche Hürden, Chancen und Möglichkeiten des Projekts.

Um die Hürden gemeinsam zu meistern, fanden die Autoren rasch Kompromisse. Deutlich wurde in der Runde, dass sich die pädagogischen Methoden unterscheiden. In Frankreich haben Schulbücher und Unterrichtsmaterialien eine größere Leitfunktion als in Deutschland. In deutschen Schulen liegt der Fokus auf der Hinführung zu einer eigenen Meinung und Methodenkompetenz, gerade im Fach Geschichte. Dokumente und authentische Quellen haben daher in den Schulbüchern einen unterschiedlichen Stellenwert. In Frankreich unterstützen sie den Autorentext, um ihn zu erläutern, in Deutschland regen sie zur weiteren Diskussion und Reflexion an.

Die Autoren, die in deutsch-französischen Zweierteams jeweils zwei Kapitel verfassen, freuen sich auf die gemeinsame Arbeit, während der es sicherlich weitere Unterschiede zu entdecken und in einem Kompromiss zusammenzuführen gilt. "Die binationale Zusammenarbeit auf pädagogischer Ebene macht das Projekt zu einem Original. Das gemeinsame Buch ist ein neuer Annäherungsversuch an die Geschichte", sagt Dr. Ilas Körner-Wellershaus. Die Schulbuchverlage Nathan und Ernst Klett bauen damit in Europa, insbesondere in Frankreich und Deutschland ein neues Stück Erinnerung auf – eine Erinnerung an die sich langsam, aber stetig entwickelnde Freundschaft in den Jahren nach dem 8. Mai 1945.

Weitere Fotos zur honorarfreien Verwendung finden Sie auf dieser Seite im Bildarchiv, Bereich Produkt-Fotos, "Geschichtsbuch für Deutschland und Frankreich". Bei Interesse vermitteln wir Ihnen gerne Interviewtermine mit den Projektleitern, Herausgebern oder Autoren.

Hochaufgelöste Bilder zum Thema:
» Deutsch-französisches Geschichtsbuch "Histoire/Geschichte"


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