[10.11.2004]
Eine Erfolgsstory: Die Klett-Lernhilfenreihe "Training" wird 30!
Es begann mit dem Titel: "Training Mathematik. Übergang auf weiterführende Schulen". Es war nicht die erste Lernhilfe, die es überhaupt gab, aber eine der ersten, auf jeden Fall die erste bei Klett. Und es war eine sehr bedeutsame Lernhilfe: Mit diesem Titel begann sich bei Klett ein Geschäftsfeld zu entwickeln, das von den meisten anderen Schulbuchverlagen aufgenommen wurde und heute aus der Branche nicht mehr wegzudenken ist. Fragt man heute, was für die Produktion der ersten Lernhilfe in den 70-er Jahren der ausschlaggebende Anlass war, so bekommt man unterschiedliche Erklärungen zu hören: Die Ölkrise war der Auslöser, sagen die Einen; die Regulierung der schulischen Praxis durch behördliche Richtlinien, sagen die Anderen. Außerdem wurde 1975 erstmals ein Numerus Clausus für einige Studiengänge eingeführt.
Sicher ist, dass sich mit dem Beginn der 70-er Jahre das Leistungsdenken verändert hat: "Die kreativen Elternbücher liefen nicht mehr so gut. Die Förderung der künstlerischen Anlagen, die in den späten 60-er und in den frühen 70-er Jahren noch im Mittelpunkt der elterlichen Erziehung stand, verlor an Bedeutung. Vielmehr waren gute Noten gefragt", erinnert sich Dr. Margrit Henning, ehemalige Redaktionsleiterin bei Klett und "Erfinderin" der Klett-Lernhilfe.
Die Entscheidung der Verlagsleitung, Lernhilfen zu produzieren, erwies sich sehr schnell als richtig. Bereits einer der ersten Bände "Rationeller lernen und arbeiten" entwickelte sich zum Bestseller. Mit 44.000 verkauften Exemplaren in nur drei Jahren traf er genau den Geist der Zeit. Neben dem Thema, das wir heute ‚Lernen lernen’ nennen und sich vor allem mit Lernmethoden beschäftigt, konzentrierte man sich im Klett Verlag bei der Produktion der Lernhilfen zunächst auf die Übergänge von der Grundschule auf die weiterführende Schule und auf die Kernfächer Mathematik, Deutsch und Englisch. Es wurde aber schnell klar, dass das Marktpotenzial damit noch lange nicht erschöpft war. Nachdem die Reihe Training schnell etabliert war, wurde 1983 die Reihe Abiturwissen eingeführt und 1996 schließlich die Reihe Die kleinen Lerndrachen. Inzwischen bietet der Ernst Klett Verlag Lernhilfen von der Frühförderung ab 4 Jahren bis zur Universität für alle relevanten Fächer an. Rund 250 unterschiedliche Titel sind derzeit lieferbar.
Hans Bergmann, Autor des ersten Mathe-Training-Bandes von 1975 blickt heute auf dreißig Jahre Training zurück und stellt fest, dass sich die Anforderungen sehr verändert haben. Das aber liegt gar nicht nur an den schulischen Anforderungen, sondern auch am gesellschaftlichen Umgang mit dem Thema Bildung: "Wenn früher Wissenslücken bei den Schülern aufgetaucht sind, dann waren es die Eltern, die mit ihren Kindern gelernt haben. Zwar hatten die Eltern oft gar nicht das Bildungsniveau, das von ihren Kindern erwartet wurde, aber sie lernten dann gemeinsam mit ihren Kindern. Daher waren die Lösungshefte der Lernhilfen mit ausführlichen Anmerkungen für die Eltern versehen." Heute sind häufig beide Elternteile berufstätig und obwohl den meisten Eltern die Ausbildung ihrer Kinder am Herzen liegt, finden sie kaum die Zeit für das gemeinsame Lernen.
Wie sich das Verhältnis der Eltern zur Ausbildung ihrer Kinder verändert hat, spiegelt sich auch in der Verlagsarbeit wider: Früher hat der Klett Verlag Elternschulungen gemacht: Die Verlagsmitarbeiter haben Eltern gezeigt, wie sie am besten gemeinsam mit ihren Kindern lernen und auf welche Inhalte es am meisten ankommt. Heute schult man Buchhändler im Umgang mit Lernhilfen. In Seminaren vermitteln Redakteure und Vertriebsmitarbeiter den Buchhändlern, was eine gute Lernhilfe ausmacht und welche Lernhilfe für wen die richtige ist. Dabei liegt der Fokus auf den Schülern und nicht mehr auf den Eltern.
Diese Veränderung schlägt sich natürlich in der didaktischen Struktur einer Lernhilfe nieder. Denn "die Inhalte haben sich zumindest in den Kernfächern während der letzten drei Jahrzehnte nicht grundsätzlich verändert", bekennt Bergmann. Zwar werden durch die Lehrpläne immer mal wieder neue Schwerpunkte gesetzt, was es auch in einer Lernhilfe zu berücksichtigen gilt. Vor allem aber ist es die Art, wie Kinder und Jugendliche die Lerninhalte aufnehmen, die sich in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt hat. Die Jugend ist selbstständiger geworden: kaum eine Mutter und kaum ein Vater lernt gemeinsam mit seinem Nachwuchs. Daher muss eine Lernhilfe in der Gestaltung und im Aufbau vor allem die Schüler ansprechen und zum Lernerfolg motivieren.
Die Aussichten für den Lernhilfenmarkt der kommenden Jahre sind sehr positiv. Bertold Marohl, Redaktionsleiter von Klett LernTraining, führt dafür zwei Gründe an: Erstens fordert der Staat im Zuge der bereits begonnenen Sozialreform mehr Eigenverantwortung vom Bürger. In der Bildung bedeutet das, dass Eltern nicht mehr nur mit dem Finger auf Staat und Lehrer zeigen können, sondern die Erziehung ihrer Kinder auch wieder selbst in die Hand nehmen müssen. Dazu gehört die Mitfinanzierung der Lernmittel und die gezielte Förderung durch die Eltern, wenn sich beim Schüler individuelle Schwächen zeigen. Hier bieten Lernhilfen eine günstige Alternative zum Nachhilfeunterricht. Zweitens bewirken die Diskussionen um PISA, Ausbildungsplatzmangel, Arbeitslosigkeit eine latente Zukunftsangst bei den Deutschen. "Ähnlich wie bei der Ölkrise verändert sich auch jetzt wieder das Leistungsdenken. Einerseits sind es die Schüler selbst, andererseits sind es die Eltern, die auf gute Noten Wert legen und bereit sind, dafür eigenes Engagement zu zeigen", stellt Marohl fest. Ein guter Schulabschluss gewinnt wieder an Wert und das macht sich bei den Absatzzahlen von Lernhilfen bereits seit einigen Jahren bemerkbar. "Dieser Trend wird sich weiter fortsetzen", prophezeit Marohl.
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