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[14.07.2004]
Kinder sind nicht dümmer als Erwachsene
Sie wissen nur weniger, das ist ein großer Unterschied
In der Tradition des Entwicklungsforschers Jean Piaget nahm man an, dass Säuglinge noch kein Gedächtnis haben und Vorschulkinder noch völlig unflexibel in ihrem Denken sind. Die neuere Hirnforschung spricht eine ganz andere Sprache. Wir müssen wir Piagets Lehre hinter uns lassen.

Langsam beginnt man auch in Deutschland, sich vom lernund leistungsfreien Kindergarten zu verabschieden. Das verdanken wir den Ergebnissen der PISA-Studie. Der Hirnforschung verdanken wir die Erkenntnis, dass bis zum Alter von zwei Jahren sich die Synapsen im Gehirn explosionsartig vermehren. Auch wenn das nicht mit Lernen gleichzusetzen, sondern nur die Voraussetzung für Lernprozesse ist, steht damit ein riesiges, hoch aufnahmefähiges Netzwerk zur Verfügung, das dringend auf Lernreize wartet.
Heute weiß man, dass Kinder nicht prinzipiell anders lernen als Erwachsene, aber sie müssen zwingend das zu Lernende mit vorhandenem Wissen, das sowohl gelernt als auch genetisch vorhanden sein kann, verknüpfen können. Hierin verfügen selbst kleine Kinder über erstaunliche Fähigkeiten. Jeder, der schon einmal mit einem Kind Memory gespielt hat, weiß das. Nur weil also Kinder mit wissenschaftlichen oder mathematischen Begriffen nichts anfangen können, bedeutet das nicht unbedingt, dass sie das Problem nicht verstehen und lösen können. Manchmal allerdings auf völlig andere Weise als wir Erwachsene.
In ihrem Aufsatz "Sind Kinder dümmer als Erwachsene?" (Magazin "Schüler 2004", Friedrich-Verlag, Seelze) beschreibt Elsbeth Stern vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin, warum wir – insbesondere im Kindergarten – zwischen
genetisch programmierten Kompetenzen und kulturabhängigen Fähigkeiten unterscheiden sollten, damit wir die Lernfreude der Kinder erhalten.
Der Friedrich-Verlag ist ein Unternehmen der Klett-Gruppe und publiziert Zeitschriften und Bücher für Eltern, Lehrer und Erzieher.
"Schüler 2004" erscheint am 15. September. Sie können den vollständigen Aufsatz bei der Klett-Pressestelle vorab anfordern.


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